Erstes globales Klimaschutzinstrument für den Flugverkehr in den Startlöchern

©Fotolia/chalabala

Auf der 39. Generalversammlung der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation der Vereinten Nationen (ICAO) einigten sich die Mitgliedstaaten im Herbst 2016 auf ein globales Klimaschutzinstrument für den Luftfahrtsektor. Der Start ist für 2021 geplant. Für die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Fluggesellschaften ist das globale Vorgehen einem nationalen oder europäischen Alleingang vorzuziehen.

Bereits vor der Klimadebatte und vor „Fridays for Future“-Demonstrationen hat sich der Luftverkehr dem Klimaschutz auf internationaler Ebene angenommen und erste Weichen gestellt, damit der Luftverkehr CO2-neutral wachsen kann. Das sogenannte „Carbon Offsetting and Reduction Scheme for International Aviation“ (CORSIA) steht für den internationalen Flugverkehr in den Startlöchern. Es wird das erste marktbasierten System sein, das die internationalen klimaschutzpolitischen Ziele im Bereich der zivilen Luftfahrt global angeht.Ab 2021 werden die wachstumsbedingten CO2-Emissionen im Luftverkehr mithilfe von CORSIA durch Klimaschutzprojekte kompensiert. Zwar muss sich die Praxistauglichkeit und Konstruktivität von CORSIA in den kommenden Jahren erst noch unter Beweis stellen, die Tragweite dieser erstmaligen Übereinkunft für ein internationales Klimaschutzabkommen im Bereich der zivilen Luftfahrt sollte aber dennoch nicht unterschätzt werden.

Einführung von CORSIA in 2021

Nach aktuellstem Stand haben sich bereits 81 Staaten verpflichtet, von Anfang an CORSIA umzusetzen. Zu ihnen zählen unter anderem nahezu alle europäischen Länder, die USA, Kanada und Japan. Gemeinsam repräsentieren sie rund drei Viertel der weltweiten Luftfahrtaktivitäten. Dennoch dürfte das einen erheblicher Effekt auf das klimaschutzpolitische Ziel der Branche – CO2-neutrales Wachstum zu gewährleisten – schon zum Start von CORSIA im Jahr 2021 spürbar werden. An die bis 2023 andauernde Pilotphase schließt sich sodann eine ebenfalls freiwillige erste Phase bis zum Jahr 2026 an. In der von 2027 bis 2035 andauernden Phase 2 ist die Teilnahme weitestgehend verpflichtend. Die Einbindung erfolgt dann mit der Maßgabe, dass insgesamt 90 Prozent der wachstumsbedingten CO2-Emissionen kompensiert werden. Ab 2022 soll CORSIA alle drei Jahre auf seine Wirksamkeit und Effektivität hin überprüft werden.

Offsetting System als Klimaschutzinstrument

Bei CORSIA handelt es sich um eine sogenannte Offsetting-Maßnahme. Charakteristisch für ein solches System ist, dass die von einem Industriezweig verursachten Emissionen außerhalb dieses Industriezweiges kompensiert werden. Dies geschieht, indem die Fluggesellschaften weltweit CO2-senkende und von der ICAO zertifizierte Klimaschutzprojekte finanzieren, in denen in entsprechender Größenordnung die Emissionen aus dem Luftverkehr kompensiert werden. Die Finanzierung der Projekte erfolgt über börsengehandelte Zertifikate, die von den internationalen Fluggesellschaften zukünftig erworben werden müssen.

Globales Klimaschutzinstrument Alleingängen vorzuziehen

Der BDI vertrat in der Vergangenheit stets die Interessen der deutschen Luftfahrtindustrie ohne dabei die klimaschutzpolitische Bedeutung eines CO2-neutralen Wachstums der Luftfahrtbranche aus dem Auge zu verlieren. Das derzeit in der EU praktizierte Emissionshandelssystem verursacht jedoch erhebliche wettbewerbliche Nachteile zu Lasten europäischer Fluggesellschaften. Um fortan wettbewerbliche Neutralität gegenüber der ausländischen Konkurrenz zu gewährleisten ist der globale Ansatz, wie jetzt durch die ICAO beschlossen, gegenüber einem europäischen Alleingang allemal vorzuziehen. Es ist außerdem sicherzustellen, dass mit der Einführung von CORSIA eine zusätzliche europäische Lösung entfällt.