Folgt dem Handelskonflikt ein Währungskrieg?

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Über das weltweite Währungssystem pendeln sich die im Welthandel geltenden relativen Preise ein. Ein stabiler US-Dollar dient den Märkten als Leit- und Reservewährung. US-Präsident Donald Trump kündigt nun die Grundprinzipien der US-Währungspolitik auf, indem er offen für einen schwachen Dollar eintritt und massiv die Unabhängigkeit der US-Zentralbank FED attackiert. Es droht ein Abwertungskreislauf, der die Wirtschaft schädigt.

Der Wechselkurs beeinflusst den Preis und damit Angebot und Nachfrage von Gütern und Dienstleistungen im internationalen Handel. Eine gewisse Flexibilität der Wechselkurse hilft der effizienten Preisfindung der Märkte. Starke Wechselkursschwankungen bedeuten jedoch für international tätige Unternehmen höhere Absicherungs- und Transaktionskosten.

Der Außenwert einer Währung ist das Ergebnis von Markterwartungen und Zentralbankpolitiken. Zinserhöhungen stärken eine Währung, Zinssenkungen führen tendenziell zu Abwertungen. Kurzfristig kann eine Volkswirtschaft durch eine Abwertung der eigenen Währung ihre Produkte international preisgünstiger anbieten, ähnlich eines Rabattes. Zugleich sinkt die internationale Kaufkraft, was Importe verteuert. Dies erhöht zum einen die Bereitschaft der inländischen Konsumenten, Importe mit inländischen Produkten zu substituieren. Zum anderen steigt die Inflation, da manche Produkte nun schlicht teurer importiert werden, etwa Erdöl. Tendenziell haben also Importeure und Gläubiger ein Interesse an einer starken Währung, Exporteure und Schuldner eher an einer schwachen Währung.

Die gewünschte Verbesserung der Exportwettbewerbsfähigkeit funktioniert jedoch nur, wenn einzelne Länder durch Zinssenkungen ihre Währung abwerten. Senken alle Wirtschaftsräume die Zinsen, bleiben die Wechselkurse unberührt, da hier die Unterschiede zwischen den Wirtschaftsräumen und nicht das Niveau ausschlaggebend sind. Da der Gewinn von Marktanteilen nicht auf fundamentalen Faktoren wie Produktivität oder Qualität zurückzuführen ist und zu Lasten von Handelspartnern geht, spricht man auch von einer Beggar thy Neighbour Policy.

Der Vorwurf, China würde seine Währung künstlich abwerten, um eigene Produkte für ausländische Käufer zu verbilligen und demnach deren Absatz auf unfaire Weise zu steigern, ist nicht neu. Auch unter Präsident Trumps Vorgängern war den USA die Währungspolitik Chinas ein Dorn im Auge. Nach der Definition der USA ist Währungsmanipulation das gezielte Bemühen eines Landes, die Wechselkurse zwischen seiner Währung und dem US-Dollar zu beeinflussen, um einen „unfairen Wettbewerbsvorteil im internationalen Handel“ zu erzielen. Das letzte Mal wurde China von 1992 bis 1994 offiziell vom Finanzministerium als Währungsmanipulator gelistet.

Unter Präsident Trump spitzte sich der Währungskonflikt zwischen den USA und China weiter zu. Als Reaktion auf US-Zollerhöhungen hatte China nach US-Angaben Anfang August 2019 aufgehört, seine Währung durch Dollarverkäufe zu stützen, weshalb sie über die Marke von sieben Yuan pro Dollar abgewertet wurde. China hatte also seine aufwertenden Interventionen in den Währungsmärkten eingestellt und die Marktreaktion auf die US-Sonderzölle zugelassen. Der IWF hatte China noch im Juli 2018 nach einer Untersuchung vom Vorwurf der Währungsmanipulation freigesprochen.

Einem Wahlkampfversprechen Trumps folgend stufte die US-Administration China jedoch Anfang August 2019 als Währungsmanipulator ein. Dies erfolgte außerhalb des üblichen US-Verfahrens. China erfüllte nur eines der offiziell für eine Listung notwendigen Kriterien. Die Einstufung war hauptsächlich ein politisches Signal.

Ende Mai 2019 hatte das US-Wirtschaftsministerium zudem eine Notice for Proposed Rulemaking veröffentlicht: Modification of Regulations Regarding Benefit and Specificity in Countervailing Duty Proceedings. Unter dem Zollgesetz von 1930 kann die Exekutive Zölle verhängen, wenn ausländische Regierungen ihren Unternehmen durch Subventionen einen unfairen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Das DoC schlug vor, dass die Unterbewertung einer Währung und unfaire Wechselkurse als Subventionstatbestand gelten sollten. Anfang Februar 2020 veröffentlichte das DOC die endgültige Regulierung. In der öffentlichen Debatte in den USA wird auch der EU und Deutschland Währungsmanipulation vorgeworfen; Deutschland steht auf einer entsprechenden Monitoring-Liste der US-Behörden.

Im Zuge der Verhandlungen des Phase One Deals zwischen den USA und China kam es schließlich auch in Währungsfragen Mitte Januar 2020 zu einer Entspannung. Mitte Januar 2020 nahm das US-Finanzministerium seine Entscheidung zurück, China als Währungsmanipulator zu bezeichnen. Laut US-Finanzminister Steven Mnuchin sei China durchsetzbare Verpflichtungen eingegangen, um Abwertungswettbewerbe zu vermeiden und gleichzeitig Transparenz und Rechenschaftspflicht zu fördern. Ob dieser Waffenstillstand halten wird, bleibt abzuwarten.

Ausblick

Die Ausweitung des Handelskonflikts auf die internationalen Währungsbeziehungen erhöht die Unsicherheit für die Weltwirtschaft. Unternehmen müssen sich auf spürbare Verschiebungen in den Wechselkursrelationen und auf größere Schwankungen der Kurse einstellen. Die Kosten der Absicherung gegen diese Schwankungen werden weiter ansteigen. Langfristig könnte bei einer Erosion der Unabhängigkeit der FED das Ende des Dollars als weltweite Leit- und Reservewährung drohen.