Bündnis für Cybersicherheit: Industrie und Innenministerium intensivieren Kooperation

Bundesinnenminister Seehofer und BDI-Präsident Prof. Kempf betonen, die Wahrung von Cybersicherheit für den Industriestandort Deutschland kann nur als Kooperation zwischen Staat und Wirtschaft effektiv ermöglicht werden. © Christian Lietzmann

Deutsche Unternehmen sehen Cyberangriffe als das zweitbedeutendste Geschäftsrisiko nach Betriebsunterbrechungen an. Um wirksam die Cyberresilienz Deutschlands zu stärken, bedarf es daher einer engeren Zusammenarbeit von Unternehmen und Behörden. Das Bündnis für Cybersicherheit zeigt, wie Staat und Wirtschaft in 38 Cybersicherheitsinitiativen kooperieren. Auch zu internationalen Cybersicherheitsthemen wollen sich die Akteure enger abstimmen.

Digitale Wirtschaftsspionage, CEO-Fraud und Erpressungsmails: Nur drei Beispiele, die zeigen, mit welchen Maschen Cyberkriminelle versuchen, Unternehmen im digitalen Raum zu schaden. Allein der deutschen Industrie ist so in den vergangenen zwei Jahren ein Schaden von knapp 103 Milliarden Euro entstanden. Mehr als 70 Prozent aller Unternehmen war betroffen. Umso wichtiger ist es, dass Staat und Wirtschaft ihre Kooperation zur Stärkung der Cyberresilienz des Wirtschaftsstandortes Deutschland intensivieren und bestehende Kooperationsformate von noch mehr Akteuren genutzt werden.

Enge Kooperation zwischen BDI und BMI

Vor diesem Hintergrund wurde im September 2018 von Bundesinnenminister Horst Seehofer und BDI-Präsident Dieter Kempf das Bündnis für Cybersicherheit initiiert. Mit dem Bündnis leisten das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) und der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) gemeinsam einen Beitrag zur Umsetzung der im Koalitionsvertrag niedergeschriebenen Cybersicherheitsziele. Das Bündnis soll die Zusammenarbeit zwischen Staat und Wirtschaft im nationalen und im internationalen Kontext des Themas Cybersicherheit verbessern. Ein weiteres Ziel ist es, Projekte, die die digitale Souveränität Deutschlands stärken, zu identifizieren und zu prüfen.

Übersicht zu nationalen Cybersicherheitsinitiativen

BDI und BMI haben nunmehr in enger Kooperation als erstes Arbeitsergebnis eine kompakte Übersicht zu bestehenden Cybersicherheitsinitiativen erstellt. Wenn ein Unternehmen den Austausch mit anderen Unternehmen zu Cybersicherheitsthemen vertiefen will, muss bisher oft lang im Web gesucht werden, um die für einen passende Cybersicherheitsinitiative zu finden. Mit der Übersicht helfen BDI und BMI, diese Suche sowohl für staatliche als auch private Akteure zu erleichtern. So können bestehende Kooperationen von Unternehmen zukünftig besser genutzt und die Verzahnung zwischen den Initiativen gestärkt werden.

Neben den bekannten bundesweiten Initiativen wie der Allianz für Cybersicherheit und Deutschland sicher im Netz beinhaltet die Übersicht regionale (It´s.BB - Das IT-Sicherheitsnetzwerk Berlin-Brandenburg) und lokale (Cyber Security Cluster Bonn, Sicherheitsnetzwerk München) Kooperationsformate. Die Übersicht wurde mittels einer breit angelegt Umfrage in Wirtschaft und Staat erstellt. Dennoch erhebt die Übersicht keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sie soll vielmehr als lebendes Dokument verstanden und fortlaufend aktualisiert werden.

Die über 38 gelisteten Kooperationsinitiativen verdeutlichen, wie eng bereits Staat und Wirtschaft in zahlreichen Formaten kooperieren. Das Bewusstsein für die unzähligen sehr guten Informationsquellen, deren Gesprächskreise sowie Veranstaltungen im Bereich Cybersicherheit muss weiter erhöht werden. Langfristig wäre zudem eine engere Kooperation zwischen den Initiativen sinnvoll. Um diesen Gedanken weiter voranzutreiben, werden BMI und BDI in Zukunft in einem geeigneten Dialogformat - wie etwa im Rahmen der Allianz für Cybersicherheit - zur Optimierung der Kooperation und zu einer besseren Vernetzung von Staat und Wirtschaft einladen.

Engere Abstimmung zu internationalen Cybersicherheitsthemen

Angesichts der internationalen Vernetzung und der globalen Handelsaktivitäten deutscher Unternehmen, ist es nicht ausreichend, Cybersicherheit ausschließlich national zu denken. Vielmehr muss sie in einen globalen Kontext eingebettet werden, denn Cyberangriffe und die Cybersicherheitsregulierungen ausländischer Staaten machen an nationalen Grenzen nicht halt. Aus diesem Grund werden BDI und BMI ab 2020 einen engeren Austausch von Vertretern aus Ministerien und Wirtschaft zu internationalen Cybersicherheitsfragen etablieren.

Ziel ist es, einen besseren Informationsfluss zwischen Industrie und Bundesministerien zu gewährleisten. So kann die Industrie beispielsweise aus erster Hand über ihre Erfahrungen mit der Umsetzung von Cybersicherheitsgesetzen in Drittstaaten berichten. Diese Erkenntnisse können die Bundesministerien wiederum in ihren Gesprächen mit den entsprechenden Drittstaaten nutzen. Damit kann mittelfristig das Geschäftsumfeld deutscher Unternehmen im Ausland verbessert werden.

Stärkung der digitalen Souveränität Deutschlands

Zudem wollen BDI und BMI gemeinsam mit interessierten Unternehmen Produkte und Dienstleistungen identifizieren, die helfen, die digitale Souveränität Deutschlands zu wahren. Vielfach haben Unternehmen und Behörden heute nur noch die Wahl zwischen Produkten und Dienstleistungen von Herstellern aus Staaten außerhalb der EU. In einigen hochsensiblen Bereichen, wie beispielsweise kritischen Infrastrukturen, befürchten Unternehmen jedoch, dass diese Produkte von Herstellern aus Drittstaaten nicht das notwendige Maß an Sicherheit für Daten, Dienste, Netze und Systeme gewährleisten können. Sie wünschen sich daher zusätzlich Angebote „Made in Germany“. Das Bündnis hat dabei keinerlei protektionistische Intentionen. Vielmehr sollen Unternehmen auch zukünftig die Hoheit über ihre Daten behalten und ihr geistiges Eigentum auch in einer zunehmend vernetzten Welt schützen können.