Industrielle Kreislaufwirtschaft als globaler Wettbewerbsvorteil

BDI-Kreislaufwirtschaftsforum © BDI

Das Fundament unserer modernen Zivilisation sind Rohstoffe. Doch die Ressourcen sind begrenzt. Es ist daher erforderlich sie durch angemessenen Umweltschutz zu erhalten. Die im BDI organisierten Branchen haben das Potenzial, gemeinsam neue Rohstoffkreisläufe zu etablieren und so Importabhängigkeiten zu verringern. Dafür werden aber die richtigen politischen Rahmenbedingungen im europäischen Binnenmarkt benötigt.

Die Versorgung mit Rohstoffen ist gerade für das Industrieland Deutschland eine zentrale Herausforderung. Allerdings verfügen die Europäische Union und auch Deutschland nur über geringe eigene Bodenschätze wie zum Beispiel Metalle, Mineralien und Erdöl. Daraus entstehen Importabhängigkeiten gegenüber Drittstaaten. Die Europäische Kommission geht davon aus, dass sich der globale Rohstoffbedarf aufgrund des erwarteten Wirtschaftswachstums zwischen den Jahren 2010 und 2050 verdoppelt. So erwartet die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hier Steigerungen bei Stahl um 90 Prozent, Kupfer um 60 Prozent und bei Aluminium um über 50 Prozent. Deutliche Steigerungsraten sind ebenfalls für die Produktion von Hightech-Kunststoffen zu erwarten, die zum Beispiel im Leichtbau zur Steigerung der Energie-Effizienz benötigt werden.

Kreislaufwirtschaft für umweltschonendes Wachstum 

Um die Rohstoffversorgung zu sichern, rückt zunehmend das Rohstofflager Abfall in den Fokus von Unternehmen und europäischer Politik. Zur Fortentwicklung der Kreislaufwirtschaft in Europa hat die Europäische Kommission 2015 ein umfangreiches legislatives Paket veröffentlicht. Es enthält zahlreiche Veränderungen des Unionsrechts zur Abfallbewirtschaftung. Zudem arbeitet die Kommission an einer strategischen Neuausrichtung ihrer Politiken für eine ganzheitliche Betrachtung von Materialkreisläufen im Rahmen eines Aktionsplans für die Kreislaufwirtschaft. Unter dem Begriff „Circular Economy“ werden dabei zunehmend alle Lebensphasen von Produkten und Erzeugnissen in den Blick genommen – von der Rohstoffgewinnung über das Produktdesign, die Nutzungsphase und die Abfallsammlung bis hin zu den Verwertungsverfahren und der Rückführung in den Materialkreislauf.

Branchenübergreifende Kommunikation als Schlüssel zum Erfolg

Die bessere Nutzung der Rohstoffquelle Abfall war auch Thema des BDI-Kreislaufwirtschaftsforums im Oktober 2018. In der Diskussion der über 80 Teilnehmenden aus Industrie, Politik und Wissenschaft wurde deutlich, dass unter anderem Zielkonflikte zwischen Abfall-, Chemikalien- und Produktrecht bestehen. Diese bedürfen intensiver Debatten. Dabei ist es wichtig, bei allen Konzepten zur Kreislaufführung von Materialien und Produkten ökologische, ökonomische und soziale Auswirkungen im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung als Ganzes zu betrachten.

Dass sich solche Debatten aber lohnen können, zeigt ein Blick auf die Schätzung zukünftige Entwicklung des Abfallaufkommens: Weltweit liegt das Aufkommen allein an Siedlungsabfällen derzeit bei etwa zwei Milliarden Tonnen im Jahr. Die Weltbank erwartet bis zum Jahr 2050 eine Steigerung dieser Menge um 70 Prozent auf etwa 3,4 Milliarden Tonnen. Bisher werden allerdings nur etwa 19 Prozent der Siedlungsabfälle einem Recyclingprozess zugeführt. Weitere 11 Prozent werden energetisch behandelt und jeweils über 30 Prozent der Abfälle landen ungenutzt auf Deponien oder unkontrolliert in der Umwelt.

Potenzial für Europa

Im Vergleich zum globalen Niveau wird die Abfallbehandlung in der Europäischen Union weitaus besser umgesetzt. So werden etwa mit 45 Prozent fast die Hälfte der Siedlungsabfälle recycelt, 30 Prozent energetisch verwertet und 24 Prozent deponiert. Allerdings fließen auch in der Europäischen Union Schätzungen zufolge lediglich fünf Prozent des Wertes der eingesetzten Rohstoffe zurück in den Produktionskreislauf.

Um das Potenzial der Kreislaufwirtschaft in Europa stärker als bisher zu nutzen, kann die deutsche Industrie im globalen Wettbewerb um Rohstoffe und Technologien einen entscheidenden Beitrag leisten. Das Kreislaufwirtschaftsforum des BDI ermöglichte den Austausch zwischen den Akteuren, die für die Umsetzung erfolgreicher Wertschöpfungsnetzwerke entscheidend sind. Es wird nun darauf ankommen, diese Diskussionen in Politik und Gesellschaft fortzuführen.