Künstliche Intelligenz: eine sicherheitsrelevante Zukunftstechnologie

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) im Bereich Sicherheit und Verteidigung bringt tiefgreifende Veränderungen mit sich. Während Chancen für innovative Sicherheitsanwendungen entstehen, wächst die Gefahr KI-gesteuerter Angriffe. Auch ethische Vorbehalte müssen thematisiert werden. Eine differenzierte Betrachtung ist unumgänglich, damit auch zukünftig Sicherheit gewährleistet und gleichzeitig die eigenen Werte und Maßstäbe aufrechterhalten werden können.

Die Erfindung der Dampfmaschine oder der Elektrizität werden nicht ohne Grund als revolutionär bezeichnet. Sie haben das Leben der Menschen grundlegend verändert. Ähnlich verhält es sich mit Künstlicher Intelligenz. KI ist dabei aber kein bloßer Teilaspekt technischer Entwicklung, sondern wird alle anderen Bereiche grundlegend transformieren. KI birgt enormes Potential – sowohl zivil als auch militärisch.

KI ist alles andere als klar definiert. Wir verstehen darunter aktuell hauptsächlich Maschinelles Lernen – dabei erkennen Computersysteme auf Basis von Daten Muster, um für bestimmte Aufgaben die effizienteste Lösung zu finden. Wie selbstständig das geschieht, variiert: im Gegensatz zu nicht- bzw. teilautonomen Systemen, die von Menschen bedient werden, sind vollautonome Systeme nicht auf  das direkte Eingreifen oder die Kontrolle durch den Anwender angewiesen. Diese Unterscheidung ist insbesondere im Bereich Sicherheit und Verteidigung relevant.

KI soll den Menschen nicht ersetzen

Denn wenn es um den Einsatz von KI-Systemen im Bereich Sicherheit und Verteidigung geht, kommt oft die Assoziation mit Filmen des Science-Fiction-Genres auf. Roboter, die sich vollautonom bewegen und die Weltherrschaft übernehmen wollen. Dabei wird oft übersehen, welch enormes Potential in der Anwendung von KI liegt. Es geht nicht um die medial oft zitierten „Killerroboter“, sondern um die praktische Unterstützung des Menschen. Auch wenn die Anwendung von KI ihre Grenzen haben mag, insbesondere bei Entscheidungen, die sozialer und emotionaler Intelligenz bedürfen – schon heute können KI-Systeme Aufgaben übernehmen, die das menschliche Denkvermögen überfordern.  

Zivile Sicherheit: Unternehmen profitieren von KI-Anwendungen

Bereits heute ist KI ein elementarer Bestandteil der inneren und äußeren Sicherheit. Im zivilen Bereich verursachen Spionage, Sabotage und Datendiebstahl pro Jahr Schäden in mittlerer zweistelliger Milliardenhöhe. Hier könnte KI zum Wirtschaftsschutz eingesetzt werden. Die Technologie bietet im in diesem Bereich eine große Bandbreite potenzieller Anwendungen, z.B. intelligente Firewalls zum Schutz der IT-Infrastruktur, die Nutzung teilautonomer bzw. autonom-kreisender Drohnen zum Werkschutz sowie Anwendungen zum Risikomanagement.

KI als militärische Schlüsseltechnologie einstufen

 Auch mit Blick auf militärische Sicherheit sind (teil-)autonome bzw. hochautomatisierte Systeme bereits Realität. Die Bundeswehr nutzt beispielweise teilautonome Defensivsysteme und trägt damit zum Schutz der Soldatinnen und Soldaten im Einsatz bei. Bei der Abwehr von Cyberangriffen, der Erstellung komplexer Lagebilder, in der Militärlogistik und im Training der Soldatinnen und Soldaten kann KI einen wichtigen Beitrag leisten. Besondere Bedeutung kann KI darüber hinaus bei riskanten Einsätzen haben, die für das eigene Personal mit zu großer Gefährdung verbunden wären. Gerade für westliche Armeen, die besonders vom technologischen Vorsprung abhängen, wird KI von besonderer Bedeutung sein. Diesen besonderen Aspekten muss die Bundesregierung Rechnung tragen und KI als militärische Schlüsseltechnologie einstufen.

Ethische Vorbehalte anerkennen, vollautonome Waffensysteme ächten

Mit voranschreitender Automatisierung im Sicherheitsbereich werden Fragen nach Verantwortlichkeit und der Vereinbarkeit mit völkerrechtlichen Grundsätzen zwangläufig immer wichtiger – nicht nur, aber besonders bei der Anwendung letaler Mittel durch ein teil- oder gar vollautonomes System. Auch wenn die Technik längst nicht so ausgereift ist, um in der Praxis angewandt zu werden, muss die Frage der ethischen Vertretbarkeit schon heute thematisiert werden. Die frühzeitige Auseinandersetzung ermöglicht es, die Entwicklung und Nutzung neuer Technologien mitgestalten zu können. Insbesondere in den Bereichen Sicherheit und Verteidigung müssen klare Regeln und Standards geschaffen werden, um die gesellschaftliche Anerkennung neuer Systeme zu ermöglichen.

Klar ist: Die letzte Entscheidung über den Einsatz einer Waffe gegen Menschen darf nicht einer Maschine überlassen werden. Die Bundesregierung sollte sich in enger Abstimmung mit ihren europäischen Partnern für eine verbindliche Ächtung dieser Systeme einsetzen. Um Vertrauen und Berechenbarkeit zu gewährleisten, sollte auf Ebene der Vereinten Nationen ein Regelwerk geschaffen werden, das den Umgang mit KI in militärischen Konflikten regelt.