Ohne Qualitätsinfrastruktur kein „made in Germany“

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Der organisatorische Hintergrund von Qualität ist ein wesentliches Element öffentlicher Infrastruktur. Deren verlässliche Organisation erfolgt dabei weithin ohne große öffentliche Wahrnehmung. Die Ergebnisse sind jedoch täglich und weithin sichtbar: Schrauben passen zur Mutter, Mobiltelefone funktionieren, die Dosierung von Wirkstoffen in Medikamenten ist verlässlich und vieles mehr. Das damit mögliche blinde Vertrauen im Markt setzt funktionierende ordnungspolitische und technische Rahmenbedingungen voraus.

Die Qualitätsinfrastruktur leistet damit einen wesentlichen Beitrag zur wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und sozialen Entwicklung. Sie ist unverzichtbarer Bestandteil einer arbeitsteiligen Wirtschaft und des nationalen, regionalen und internationalen Handels. Sie stellt eine grundlegende Voraussetzung für die Zusammenarbeit der Wirtschaft dar, insbesondere für einen leistungsfähigen Industriestandort wie Deutschland. Sie fördert Wirtschaftswachstum, Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit und schafft Vertrauen, auch in die Sicherheit von Materialien und technischen Anlagen. Denn sowohl das Festlegen von Grenzwerten als auch deren Überprüfung basieren auf nachvollziehbaren Messungen, Prüfungen und entsprechenden Zertifikaten (Bestätigung der Konformität mit technischen Vorschriften und Normen). Und so kommen auch Umwelt-, Gesundheits- und Verbraucherschutz nicht ohne eine verlässliche Qualitätsinfrastruktur aus.

Wesentliche Bausteine der Qualitätsinfrastruktur sind Normung, Akkreditierung, Konformitätsbewertung, Materialprüfung sowie Mess- und Prüfwesen. Insbesondere Normung und Akkreditierung sichern die Grundlage für Produktinnovation, Technologietransfer und Chancengleichheit am Markt und sind daher strategisch für die Funktionsfähigkeit der Wirtschaft unverzichtbar.

Inverkehrbringen deutscher Industrieprodukte im europäischen Binnenmarkt

Deutschland hat mit Abstand den größten Industrieanteil und erwirtschaftet fast ein Drittel der gesamten industriellen Wertschöpfung in Europa. Es ist Lieferant und Empfänger von über 40 Prozent aller grenzüberschreitenden Vorleistungen des Verarbeitenden Gewerbes. Basierend auf einer marktwirtschaftlichen Ordnung bildet der europäische Binnenmarkt für die deutsche Industrie einen unverzichtbaren, stabilen und harmonisierten Wirtschaftsraum. Hier können Unternehmen Produkte nach einheitlichen Regeln vermarkten. Die Produkte müssen dabei nach dem sogenannten „Neuen Konzept“ (New Approach) den grundlegenden Anforderungen, insbesondere den einschlägigen Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen auf hohem Schutzniveau entsprechen. Die Pflicht zur Erfüllung dieser Konformitätsanforderungen liegt bei den Unternehmen.

Getragen vom Leitgedanken, den freien Marktzugang weiter zu fördern und das Inverkehrbringen von konformen Produkten auf dem Binnenmarkt zu verbessern, verabschiedete der europäische Gesetzgeber im Jahr 2008 den neuen Rechtsrahmen „New Legislative Framework“ (NLF) für die Vermarktung und Überwachung von Produkten in der Europäischen Union. Der NLF vereint die beiden, in den Jahren zuvor etablierten Rechtsrahmen „New Approach“ (1985) und „Global Approach“ (1993), entwickelt sie weiter und bildet somit die tragende Säule des Europäischen Binnenmarkts für Produkte. Dieses Regulierungsmodell hat den Binnenmarkt erst ermöglicht und ist damit ein Erfolgsmodell, das weiter verwendet und ausgebaut werden sollte.