„Industrie ist meist gleichbedeutend mit Mittelstand“

stellvertretender BDI-Hauptgeschäftsführer Holger Lösch  © Christian Kruppa

stellvertretender BDI-Hauptgeschäftsführer Holger Lösch © Christian Kruppa

99% der Unternehmen in Deutschland gehören zum Mittelstand. Mittelständler und Familienunternehmen prägen auch die Industrie und damit den BDI. In dieser Perspektive bewertet Holger Lösch, stellvertretender BDI-Hauptgeschäftsführer, die Mittelstandsstrategie des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi).

Was macht der BDI eigentlich für den Mittelstand?

Als Dachverband von aktuell 39 Branchenverbänden bilden wir die gesamte Breite und Tiefe der deutschen Industrielandschaft ab. Und Industrie bedeutet zu allererst Mittelstand. Auch unsere Mitgliedschaft besteht also vor allem aus Mittelstand und Familienunternehmen. In dieser Perspektive vertreten wir gegenüber der Politik abgestimmte mittelstandspolitische Interessen. Daher haben wir uns natürlich aktiv in die Erarbeitung der Mittelstandsstrategie eingebracht.

Der BDI hat – gemeinsam mit der BDA – schon im Frühsommer eigene Vorschläge für eine Strategie für Mittelstand und Familienunternehmen vorgelegt und darin 55 konkrete Forderung auf sieben Handlungsfeldern formuliert. Kleine, mittlere und große Unternehmen sind heute ohnehin nicht mehr isoliert zu betrachten. In Wertschöpfungsverbünden sind alle Unternehmen mittlerweile eng miteinander vernetzt. Diese Realität bilden wir auch im BDI ab.

Wie bewertet der BDI die Mittelstandstrategie des BMWi?

Zunächst einmal sehr positiv. Es ist gut, dass es unter dem richtig gewählten Motto „Wertschätzung – Stärkung – Entlastung“ konkrete Vorhaben des Bundeswirtschaftsministeriums gibt. Das ist ein wichtiger Akzent und zeigt in wirtschaftlich und politisch unsicherer Zeit die richtigen Instrumente auf, um Mittelstand und Familienunternehmen auf dem Weg in die Zukunftsfähigkeit zu stärken.

Steuerbelastung deckeln, Innovation fördern, Bürokratie abbauen, Fachkräftemangel beheben und moderne Infrastrukturen schaffen – das sind richtige Stellschrauben gerade für mittelständische Familienunternehmen. Niemals vergessen werden darf: Der Mittelstand lebt von sicherer und bezahlbarer Energieversorgung am Standort. Hier richtet sich besondere Erwartung ans Wirtschaftsministerium, um neue finanzielle Belastungen aus einer CO2-Bepreisung und höhere bürokratische Kosten durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz zu verhindern.

Was sind nächste Schritte?

Die Arbeit beginnt nun mit der Vorstellung der Mittelstandsstrategie erst. Nur, was am Ende umgesetzt und den Unternehmen wirklich zu Gute kommt, zählt. Entscheidend bleibt, dass die Koalition diese strategischen Vorhaben wirkungsvoll und gegen politischen Widerstand wirklich in praktische politische Maßnahmen gießt. Alle Ministerien sind aufgerufen, den vorgeschlagenen Staatssekretärsausschuss im Interesse von Mittelstand und Familienunternehmen aktiv aufzugreifen und konstruktiv zu nutzen.

Wir jedenfalls werden die Umsetzung der Mittelstandstrategie auch in und über unseren Mittelstandsausschuss eng begleiten. Ich würde mich freuen, wenn wir die Politik mittelstandspolitisch auch mal loben könnten. Sicher werden wir weiterhin vieles kritisch hinterfragen und immer fordern: Mehr Mittelstand wagen!